Silentius' Necrolog

 

Mach dir einen Plan, sei ein schlaues Licht. Mach dir einen Zweiten! Denn der erste Funktioniert so nicht! „Plan B?“ „Gibt es nicht!“ „C?“ ... der Raum, erfüllt von belangloser Stille ... „D E F G?“ ... böser Blick .. „Was ist mit Hhhhauch... Ok, ok! Ich geb schon auf.“ Würde ein Diskurs mein Leben wiedergeben, und aus einem unersichtlichen Grund wäre dieser auf eine verschwindend geringe Bitzahl reduziert, so wäre das wohl meines. Hätte ich eine Wahl, würde ich dieser Fügung wenigstens mehr Kreativität zugestehen. Ein kurzer unaufmerksamer Moment hatte die bittere Folge, so war es wohl geschehen, dass ich mir einen dieser unverkennbar ärgerlichen Flüche mit prophetischen Ambitionen eingefangen zu haben schien. Einmal leichtsinnig ins Freie, einmal unbedacht den Tag verbracht und schon haftet es an einem wie eine militante Klette mit kräftigen Beinen. Vehement scheint sie davon überzeugt zu sein, in meiner Personen einen besonders exquisiten Nährboden gefunden zu haben, den sie sich unter keinen Umständen wieder streitig machen lassen will. Jeglicher Versuch, dem selbsternannten Gourmet, den einen oder anderen, mir eher lästigen, Nachbarn schmackhaft zu machen, ist kläglich gescheitert. Wenigstens dem Vorwurf, resignierend im Schicksalsstrom unter zu gehen, kann ich auf diese Weise mit mäßig gutem Gewissen gerade noch entgehen. Denkt man einmal genauer darüber nach, schlägt einem die Realität gnadenlos in das naive Mondgesicht. Unmissverständlich bekommst du auf diesem Wege ihre Manifestation des Seins, die UNGERECHTIGKEIT, um die Ohren. So ist es nicht verwunderlich, dass der engstirnige Kleingeist aus der Nachbarschaft es vermag, durch bloße Authentizität in all ihren Defiziten, dieser stigmatisierenden Bürde ohne Mühen zu entgehen. Was bleibt mir also, außer dem ungeliebten Elend mit all seinen Widerwertigkeiten entgegenzutreten? Guter Rat ist nun teuer. Selbst den Großen unter den Namen scheine ich keines Trostes würdig zu sein. Ist es die Feigheit des Homo-ich-wär-so-gerne-sapiens, die spontane Eingebungen unter dem Deckmantel einer betont toleranten Auslegung heraufbeschwört oder die dreiste Ignoranz der eigenen Unzulänglichkeit? Ist das überhaupt von Belang? So stößt nun ein Freigeist auf die dem Menschen in die Wiege gelegte Erbsünde und ist der Versuchung erlegen, ihr nachzugeben. Ist das glorreiche Kind, die Relativität, gar doch eine mit Liebreiz schützende Umarmung von Mutter Natur? So wäre ich doch ein aufsässiger Narr, sträubte ich mich gegen diesen verheißungsvollen Weichzeichner der erbarmungslosen Wahrheit. - FUCK YOU- Schicksal ich verachte DICH! ICH beachte dich nicht! Hörst DU MIR zu? Was willst DU nun tun? Wie ein dreckiger Parasit saugst du an meiner zerbrechlichen Moral. Vernehme ich nun doch vollkommen unverhofft und zu guter Letzt eine leise, vage Stimme... Flüstert sie mir wirklich zu? Hör nicht auf, ich hör dir zu! Jede Silbe, jedes Wort, sind mir sehr genehm, sind Hoffnung, sind Gast, sind gern gesehen. Als bleicher, nach Verrat stinkender Schatten meiner selbst werde ich euch trefflich behandeln. Brüder sind wir nun. Nichts anderes als sehnsüchtig nach Erlösung lechzende Hirngespinste in dunkler hoffnungsloser Nacht. So sprichst du nun, Kafka, verendeter Stern unter vielen: „Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben.“ Gute Nacht.

 

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